In den letzten beiden Jahrzehnten wurden zahlreiche Forschungsperspektiven entwickelt, denen die Frage nach einer Zukunftsethik inhärent ist: Von Gender und Postcolonial Studies, über Diversität und Inklusion bis hin zu ökologischen und ökonomischen Überlegungen. Was aber bedeutet all dies für den Gesamtbereich Musik und Musikwissenschaft, zumal dann, wenn man nicht nur das Kunstwerk und seine Interpretation in den Mittelpunkt des Interesses stellt, sondern Musik als einen umfassenden Prozess versteht, der maßgeblich mit individuellen und gesellschaftlichen Belangen verbunden ist? Wie kann eine Sinnhaftigkeit von Musik im Heute konturiert werden, von welchen ästhetischen Prinzipien wird sie geleitet und worin kann ihre gesellschaftliche Bedeutung liegen?
Der Begriff „Zukunftsethik“ geht zurück auf den Philosophen Hans Jonas, der ihn 1979 in seinem Buch „Das Prinzip Verantwortung“ prägte; seither wurde er mehrfach in der praktischen Philosophie aufgegriffen. Das Seminar dient dazu, die damit zusammenhängenden Fragen im Konkreten zu erörtern, z. B. mit Blick auf die Bedeutung von Musik für Machtverhältnisse und Musikökonomien, für Geschlechterverhältnisse, Diversität und Inklusion, aber auch mit Blick auf die Bedeutung von Musik als autonome Kunstform.
- Dozent:in: Silke Wenzel